Zinshausschwund in Wien – eine bedenkliche Entwicklung

Wer kennt sie nicht, die Zinshäuser in Wien aus der Gründerzeit. Eine neue Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat nun untersucht, wie sich die Zahl der für Wien so charakteristischen Zinshäuser verändert hat.

Zwischen 2007 und 2019 nahm die Zahl der Gründerzeithäuser um 2117 ab, von 17.829 auf 15.712, ein Verlust von 11,9%.

Hauptursache war Parifizierung – rund 80% wurden in Eigentumswohnungen umgewandelt -, der Rest wurde abgerissen.  Damit verschwanden günstige Wohnungen, günstig durch Deckelung der Miethöhe, aus dem Bestand.

Damit ändert sich aber auch die jeweilige Grätzelsituation, denn die Eigentumswohnungen sind teuer, der Akademikeranteil steigt, Handwerksbetriebe und auch die soziale Durchmischung verringert sich.

Denn das das Wiener Gründerzeithaus ist immer noch ein Konglomerat unterschiedlicher sozialer Milieus. Bürgerliche lebten neben Unternehmern, Handwerkern, Tagelöhnern unter einem Dach, der Hausherr meist in der Belle Etage.

Wenn es so weiter geht, wird es im Jahr 2030 nur mehr 13.990 Zinshäuser in der Stadt.

Heute sind Parifizierung oder Abriss faktisch bei den stark gestiegenen Preisen für Eigentumswohnungen eine Gelddruckmaschine. Ganze Viertel werden nun von homogenen sozialen Gruppen bewohnt mit entsprechenden Auswirkungen. Denn die Transformation konzentriert sich auf ganz bestimmte Orte. Zurzeit liegt der Fokus etwa im 10. und 12. Bezirk.

Was tun? Es gibt schon lange die Forderung von uns Grünen (siehe auch Positionspapier), dass die Begrenzungszeit für gesetzlich gedeckelte Altbaumiete adäquat angepasst wird. Nach etwa 25 bis 30 Jahren haben sich die Baukosten amortisiert. Dass alle älteren Gebäude unter die gedeckelte Altbaumiete fallen sollen, ist damit nur fair.

Das Mietrecht fällt, so wie alle anderen wichtigen Wohnrechtsgesetze, in die Kompetenz des Bundes. Für Veränderungen kann nur eine fortschrittliche Regierungskoalition sorgen.

Quelle: Wiener Zeitung, 18. 11. 2021

Dieter Scholz

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